21. Oktober 2016

Mitreißende Erzählung aus einer anderen Welt

R. R. Janetzky: Eyvindurs Sohn. Das Erbe der Weltenreiter 01

Ein Wort vorweg: Das hier ist die Gesamtrezension für die beiden Bücher „Eyvindurs Sohn I“ und „Eyvindurs Sohn II“, da es durch die Printausgabe zu einer Teilung gekommen ist.

Es ist wie in einem Märchen. Eyvin ist ein einfacher Stallbursche – so denkt er –, der gerne Ritter werden möchte. Doch er ist ein Findelkind und wird auch als Wechselbalg verschrien und der Earl möchte ihn nicht als Knappen aufnehmen.
Darüber hinaus hat es der Sohn des Earls auf ihn abgesehen und macht ihm das Leben bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Hölle.
Aber was Eyvin nicht weiß: Das Schicksal hält für ihn wesentlich mehr bereit als nur ein einfacher Stallbursche zu sein, und als im Stall ein Fohlen mit einem seltsamen Zeichen auf der Stirn geboren wird, beginnt sich Eyvins Leben schneller zu verändern, als er es glauben kann. Seltsame Kreaturen, die Falken, die sich in Menschen verwandeln können, erscheinen auf der Burg und scheinen jemanden zu suchen. Dann bricht auch noch die Pest aus und alles versinkt in Chaos. Eyvin erfährt, dass er der Sohn des Königs eines anderen Reiches ist, dem Menschenland ähnlich und doch ganz anders. Er ist auserwählt, dieses Reich zu retten, denn ein finsterer Herrscher sitzt nun dort auf dem Thron.

Ich gestehe, ich war zu Anfang skeptisch, ob mich dieses Buch beeindrucken könnte. Es konnte, und ich kann es kaum erwarten, dass die Fortsetzung erscheint. Die Geschichte ist mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet, die Figuren – so unsympathisch wie einige davon mir auch persönlich waren – waren allesamt gut durchdacht und haben schlüssig gehandelt. Sogar die Unsympathischen (daher konnte ich sie ja auch nicht leiden, weil sie bei ihren dummen Verhaltensmustern blieben).
Eyvins Charakter wächst einem richtig ans Herz. Er ist schlüssig beschrieben und seine Handlungen, ob jetzt gut oder schlecht, machen aus seiner Perspektive Sinn. Man kann mit ihm leiden und sich mit ihm freuen und ich wünsche ihm sehr, dass er Großes vollbringt. Auch sämtliche Nebenfiguren waren liebenswert oder eben hassenswert dargestellt.
Die Story war und ist auch nicht vorhersehbar, zumindest nicht in allem. Das Auftauchen von noch zwei Auserwählten hat mich sehr überrascht, wobei ich bei dem dritten immer noch nicht weiß, zu was er gut sein soll. Ich vermute, er wandert auf die böse Seite ab … Die Reise von Eyvin läuft auf unvorhersehbaren Bahnen und doch kommt er am Ende dort an, wo er hin muss. Für mich ist das ein absoluter Pluspunkt, denn ich bin jemand, der die meiste Zeit vorhersagen kann, wie sich eine Geschichte entwickelt, und hier gab es einzelne Handlungsstränge, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Solche Bücher mag ich, die mich überraschen und mich atemlos eine Seite nach der anderen lesen lassen.
Mein einziger Kritikpunkt: Das Buch ist in einzelne Teile untergliedert und die sind untereinander sehr unterschiedlich in der Länge. So etwas mag ich nicht. Allerdings ist das nur mein persönlicher Geschmack und sagt nichts über die Qualität der Geschichte aus.
Ich bin mir jetzt nicht zu hundert Prozent sicher, dass dieses Buch das Erstlingswerk dieser Autorin ist, aber wenn doch, so sage ich: Wahnsinns Einstieg!

Bewertung: 5 von 5 Sternen