15. Juli 2015

Der erste Kontakt

Joe Haldeman: Marsbound. Marsbound 01

Die 19-jährige Carmen Dula und ihre Familie erhalten das Glück, an dem Abenteuer ihres Lebens teilzunehmen: Sie wurden in der Lotterie gezogen und dürfen auf den Mars ziehen. Nach sechs Monaten im All sind sie endlich auf dem roten Planten gelandet. Doch bei einem heimlichen nächtlichen Spaziergang bricht Carmen in ein Loch und wird von einem roten Engel gerettet. Einem Engel mit zu vielen Armen und Beinen, und einem Kopf, der aussieht wie eine vergammelte Kartoffel…

Als ich anfing das Buch zu lesen, dachte ich kurz: „Moment, das soll derselbe Kerl sein, der Forever War geschrieben hat?“ In der Tat, es handelt sich wirklich um Haldeman. Er ist ziemlich erstaunlich, wie gut er es doch geschafft hat, sich in ein 19-jähriges Mädchen hineinzuversetzen. Was diesem klasse Autor wunderbar gelungen ist, konnte ich als Leserin leider anfangs nicht schaffen. Zu Carmen konnte ich einfach keine Beziehung aufbauen, denn ihre Rolle war mir anfangs schlichtweg egal. Nach gut einem Viertel des Buches aber, konnten Carmen und ich uns doch auf anfangs einen gemeinsamen Nenner verständigen und es verlief mit uns immer besser. Vielleicht hatte ich mich aber auch einfach an sie und ihre leicht rebellische Art gewöhnt.
Haldeman erzählt seine Geschichte in der Ich-Perspektive durch Carmen Dula. Dabei erfahren wir sehr genau, was in ihr vorgeht, wie scharf sie gerade auf den Piloten ist und was sie eigentlich noch so mit ihm treibt. Aber sie berichtet auch wiederum sehr genau über das Leben im All und auf dem Mars. Zudem fand ich die Darstellung von Carmen durchaus gelungen, auch wenn sie ziemlich eigensinnig ist, aber das macht sie wohl aus.
Die erste Hälfte es Buches baut gerade auf der Entwicklung der Charaktere auf und liefert viel Hintergrundinformationen. Allerdings mit Beginn des ersten Kontakts wurde es für mich sehr interessant und sehr spannend. Ab dieser Stelle hat mir das Lesen einfach nur noch sehr viel Spaß gemacht. Die Informationen zu den Aliens, wie sie auf den Mars kamen und was sie da machen, gestaltete sich zwar als ein wenig mysteriös, aber so war es umso spannender und interessanter, mehr über sie zu erfahren. Sobald man dann auf dem Mars angekommen ist, ist es einfach sehr angenehm zu lesen, dass man schnell vorankam und das Buch genießen kann. Ungeahnte Wendungen geben ihr Übriges dazu.
Auch wenn es sich bei Marsbound um den ersten Roman einer Trilogie handelt, kann man ihn für sich lesen, da das Buch abgeschlossen ist, trotz des recht abrupten Endes.

In meinen Rezensionen gehe ich normalerweise nur auf den Inhalt ein, gerade wenn das Buch in Übersetzung vorliegt. Allerdings werde ich hier eine Ausnahme machen. Es kam mir ehrlich gesagt so vor, als hätte entweder das Lektorat oder der Übersetzer nicht sauber gearbeitet bzw. als hätte nach der Übersetzung einfach keine Korrektur stattgefunden. Mir sind ab und zu völlig falsche Wörter begegnet, manchmal empfand ich Sätze der deutschen Sprache nicht vollständig/richtig angepasst. Da das nicht mein erstes Buch vom Mantikore-Verlag ist, sollte man an der Stelle sicher auch erwähnen, dass es zu vorherigen Büchern zwar besser geworden ist, hier aber dennoch deutlicher Verbesserungsbedarf besteht. In meine eigentliche Bewertung habe ich es allerdings nicht einbezogen, für die Übersetzung kann der Autor schließlich nichts.

Marsbound kommt zwar nicht an Forever War heran, aber wer Haldeman mag, dem wird auch dieses Buch gefallen. Denn es handelt sich einfach um gute Science Fiction, die einzigartig ist. Nachdem ich mich mit Carmen zudem doch noch „anfreunden“ konnte, fand ich den Roman sehr spannend und unterhaltsam. Auch der Fortsetzung Starbound würde ich definitiv eine Chance geben (bisher noch nicht auf Deutsch erschienen).

Bewertung: 4 von 5 Sternen


Ich möchte mich beim Mantikore Verlag bedanken, der mir dieses Rezensionsexemplar für die Leserunde auf Lovelybooks zur Verfügung gestellt hat.