22. Juni 2015

Der Preis der Wahrheit

Mira Grant: Feed: Viruszone. Newsflesh Trilogy 01

Die Geschwister Georgia und Shaun Mason leben in einer Welt, in der Zombies zur täglichen Realität geworden sind, seid zwei genetisch veränderte Viren – die das Leben der Menschen eigentlich besser machen sollten – aufeinander getroffen sind und die Toten nicht mehr tot bleiben. Beide sind Blogger aus Überzeugung und als sie und ihr Team den Präsidentschaftskandidaten bei seiner Tour begleiten dürfen, ist das wie ein beruflicher Lottogewinn. Dann passieren dem Präsidentschaftstross seltsame Dinge und ehe sie sich versehen sind sie mitten drinnen in den Intrigen der Politik. Plötzlich steht nicht nur ihre journalistische Integrität auf dem Spiel, sondern auch ihr Leben.

Wie man an der, für mich, längeren Zusammenfassung sehen kann, ist dieses Buch ungeheuer komplex aufgebaut. Im Vordergrund stehen weniger die Zombies und wie es dazu kam, sondern eher, was die ständige Angst vor dem Ausbruch des Virus mit den Menschen und der Gesellschaft macht. Wie viel persönliche Freiheit opfert man, um in vermeintlicher Sicherheit leben zu können? Wie weit darf man gehen, wenn man dieser Bedrohung ausgesetzt ist? Ist es z. B. legitim, sämtliche große Säugetiere auszurotten, nur weil sie den Virus in sich tragen könnten? Darf man den Einzelnen opfern, um die Masse zu schützen? Diese und weit mehr fragen wirft das Buch beim Lesen auf, ohne sie jedoch definitiv zu beantworten. So hat jeder Charakter seine ganz eigene Meinung dazu, was man tun darf und was nicht.
Schließlich wird auch gezeigt, was die Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten dem betreffenden Menschen und seiner Familie abverlangen kann. Auch wenn diese Art Kritik immer nur am Rande mitschwingt, ist sie mit feinem Gespür doch sehr gut zu vernehmen.
Die durch den Virus völlig veränderte Gesellschaft hat auch die beiden Hauptprotagonisten Georgia und Shaun Mason geprägt. Als Kinder, die nach dem großen Ausbruch des Virus aufgewachsen sind, sehen sie die Welt anders, als all jene, die wissen, was sie verloren haben. Durch ihre (Adoptiv)Eltern sind sie mit der Welt des Bloggens, Posierens für Kameras und der Jagd nach Quoten groß geworden, ohne viel menschliche Nähe zu bekommen, außer von sich selbst. Dadurch wird diese extreme Bindung der beiden Geschwister zueinander schön beleuchtet. Beide Charaktere finde ich wunderbar ausgearbeitet und schlüssig erzählt. Ihre Ängste und ihre Wünsche werden durch jede Zeile transportiert und deutlich.
Dieser Teil der Trilogie wird fast durchweg aus der Sicht von Georgia erzählt, die das ganze mit so viel trockenem Humor tut, dass ich mich stellenweise kaum halten konnte vor lachen. Aber auch die ernsteren Töne, gerade gegen Ende, wirken durchaus glaubwürdig und waren stellenweise so intensiv, dass es mir die Tränen in die Augen getrieben hat.
Auch die anderen Charaktere sind nicht weniger schön und nachvollziehbar beschrieben worden, egal, zu welcher Seite sie nun gehören. Ihre Entscheidungen und Handlungen sind immer schlüssig.
Schön fand ich auch, dass dieses Buch ganz ohne irgendwelche romantischen Liebesbeziehungen auskam. Ich sage nicht, dass diese ein Buch zwangsläufig schlecht machen, aber allzu oft verkommen diese Beziehungen zu einem Klischee und wirken aufgesetzt. Die Liebe, die Shaun und Georgia als Geschwister füreinander empfinden, ist so stark, dass alles weitere die Geschichte zu sehr überfrachtet hätte.

„Feed: Viruszone“ ist somit der erste Teil der „Newsflesh“ Trilogie. Es ist wirklich schon lange her, dass ich bei der Lektüre eines Buches anfing, zu weinen, aber hierbei ist es geschehen. Das katapultiert dieses Buch in meine persönliche Top Ten der besten Bücher und lässt mich nach dem zweiten Teil Ausschau halten.

Bewertung: 5 von 5 Sternen