26. April 2015

Zwei Völker, eine Prophezeiung

Susanne O’Connell: Die Prophezeiung der Volturne

Quelle: http://bit.ly/1sl6Cuf
Vagóor glaubt nicht an die Prophezeiung, an die die Volturnen, sein Volk, seit jeher glauben. Laut dieser wird eines Tages der Erlöser kommen, der sie wieder eins werden lässt mit dem Wasser – ihrem Element. Und obwohl die Volturnen nicht mehr schwimmen können, haben sie immer noch Kiemen. Jeder junge Volturne zieht aus, um drei Aufgaben zu lösen, die zeigen, ob er der Erwählte ist – oder eben nicht. Vagóor weigert sich jedoch und wird verstoßen. Die junge Volturnin Mirihanna jedoch glaubt, dass sie die Erlöserin ist, ein ketzerischer Gedanke, denn nur ein männlicher Volturne kann laut der Prophezeiung sein Volk erlösen. Hin und her gerissen zwischen seinen Zweifeln und seiner Liebe zu Mirihanna mach Vagóor sich auf, sich mit dem Erzfeind der Volturnen zu verbünden: den Herkanen.

„Die Prophezeiung der Volturnen“ besticht dadurch, dass es keine „typischen“ Fantasy-Völker in der Geschichte gibt. Stattdessen hat sich die Autorin ihre eigenen Völker ausgedacht, und sie mit einer Hintergrundgeschichte, einer Prophezeiung und einer eigenen Sprache versehen. Bei der Beschreibung der beiden Völker, Volturnen und Herkanen, merkt man, wie viel Mühe sich die Autorin dabei gegeben hat, und mit wie viel Liebe und Detailreichtum sie sie ausgestattet hat.

Auch die Charaktere weisen eine Vielschichtigkeit auf, die auf eine sorgsame Ausarbeitung hindeuten. So erlebt man gerade an Vagóor wie er an seinen Aufgaben wächst und sein Charakter sich verändert und stärker, erwachsener wird. Mirihanna hält sich selbst für die Erwählte und vermittelt auch stets eine innere Sicherheit und Überzeugung, sodass man ihr auch als Leser zu glauben versucht (wenn man nicht wie ich ein ewiger Zweifler ist).

Sprachlich gibt es nichts zu kritisieren. Das Buch ist spannend und kurzweilig auf einem ansprechenden Sprachniveau geschrieben.

Negativ aufgefallen sind mir allerdings – gerade in der ersten Hälfte – die teilweise extrem ekelhaften Szenen. Natürlich zeigen diese Szenen die Grausamkeit der Herkanen, aber Grausamkeit ist nicht gleichzusetzen mit Ekel, auch wenn beide oft Hand in Hand gehen. Daher bin ich der Meinung, dass bei diesen gewissen Szenen das Motto „weniger ist mehr“ angebrachter gewesen wäre. Man darf dem Leser auch eine gewisse Vorstellungskraft zutrauen, damit er sich seinen Teil dabei hätte denken können.

Auch der etwas schwierige Einstieg, da man nichts über die Volturnen weiß und quasi in eine fremde Welt mit einem fremden Glaubenssystem geworfen wird, haben mir das Lesevergnügen etwas getrübt. Gegen Ende entwickelt sich die Geschichte dann so schnell, dass innerhalb von zwei Kapiteln zwei Völker der Erfüllung ihrer Prophezeiung entgegenstreben und man sich denkt, dass das jetzt doch ein wenig zu schnell gegangen ist.

Wer gelangweilt ist von Elfen, Zwergen, Orks und der Fantasywesen mehr und über einen festen Magen verfügt, sollte ruhig zu diesem Buch greifen.

Bewertung: 4 von 5 Sternen


Wie Tarika durfte auch ich das Ebook auf einer Lovelybooks Leserunde lesen. Vielen Dank dafür!